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G20 mit Zahlen und Kreuzknoten  (Matthias Biskupek )

Wir kennen die U-20-WM und die WM 22. Um dort teilnehmen zu können, müssen Staaten sich qualifizieren. Sie schicken ihre Fußballer in mehr oder minder lange Ausscheidungsrunden, und irgendwann sind dann 16 oder 24 oder gar 48 Mannschaften beisammen und tragen als »Unter-20-Jährige« 2021 ihre WM aus oder spielen, wenn älter, um die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, was ein ölreicher Staat an der Südostflanke von Saudi-Arabien ist. Bei der Qualifikation wird streng auf Erdteil-Proporz geachtet: Europa (bekommt immer die meisten Plätze), Asien, Südamerika und so weiter.

 

Die Qualifikation für die G20, die zwanzig stärksten Industriestaaten, wird einfacher ermittelt. Streng nach dem Bruttoinlandsprodukt wird da eine Rangfolge aufgestellt, in Dollar gemessen, nicht etwa in chinesischen Yuan, den ja die meisten Menschen auf der Welt, nämlich fast 1,4 Milliarden, nutzen. Damit Europa so stark wie beim Fußball vertreten ist, tritt zum einen die gesamteuropäische Mannschaft an, daneben aber noch Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Apropos: Das ist so, als ob neben einer britischen Mannschaft noch die aus Wales, England, Schottland und Nordirland spielen, also auch fast fußballähnlich.

 

Die G20-WM fand erstmals 1999 in Berlin statt, später kamen auch unwichtigere Austragungsorte wie 2016 Hangzhou mit gerade mal acht Millionen Einwohnern hinzu. Dass das auch sonst ein marginaler Treffpunkt war, wird daran deutlich, dass damals, vor vielen, vielen Tagen, die USA bekanntgab, das Klimaabkommen zu ratifizieren.

 

Der Staat mit den wenigsten Einwohnern unter den G20-Staaten ist Australien, mit gerade mal 23 Millionen, also viel weniger als Kalifornien, das aber keine eigene Staatsvertretung hat. Australien liegt in der Geldrangfolge genau einen Platz hinter Indien, das dafür fünfzig Mal so viele Einwohner hat. Ganz am Ende der Tabelle wohnen Saudi-Arabien und Südafrika, letzteres, damit Afrika überhaupt einen Weltmeisterschaftsplatz hat. Saudi-Arabien hingegen gehört zu den von Präsident Trump meistbegünstigten, also meistbesuchten Staaten und steht somit zu Recht auf der Gehaltsliste. Die Schweiz, die ein höheres Geldaufkommen, natürlich vor allem in den steuerschlüpfrigen Banken, hat, wird höchstens mal als Zusatz-Gast eingeladen, wie Äthiopien oder Senegal.

 

Oft heißt es ja von den großen Staaten und deren Treffen, man rede über die Köpfe der Menschen hinweg. Die Bundesrepublik hat, um dem entgegenzuwirken, extra auch für das diesjährige Treffen Texte in »leichter Sprache« geschaffen. Dort erfahren wir:

»Eine Abteilung im Bundes-Presse-Amt / heißt Lage-Zentrum. / Die Mit-Arbeiter und Mit-Arbeiterinnen / vom Lage-Zentrum arbeiten tagsüber / und auch in der Nacht.«

 

Auch nächtens erfahren wir also jetzt die Wahrheit über das Treffen vom 7. und 8. Juli dieses Jahres. Das findet / in Hamburg statt. / Eine wichtige deutsche Stadt / voller Hafen-Straßen / – um es mal in leichter Sprache zu erklären.

 

Hamburg wurde vor allem deshalb bekannt, weil 1974 dort in einem sogenannten Volksparkstadion der Weltmeister Deutschland von einer »DDR-Mannschaft« geschlagen wurde, was leider bis heute zu keinem Untersuchungsausschuss des Bundestages geführt hat.

 

Hamburg ist heute berühmt dafür, dass man dort viel Wind machen kann, denn zwei Drittel des globalen Knowhows zur Windenergie sind in und um Hamburg angesiedelt.

 

Neuerdings haben die Austragungsorte auch eigene Logos für das Treffen, auch das wird dem Fußball immer ähnlicher. In Hangzhou war es ein durch einen Ball (!) gestörtes Strömungsbild, in Hamburg wurde der Kreuzknoten erwählt. Das ist ein schönes und bezeichnendes Symbol. Wir zitieren aus dem von Gerhard Meyer-Uhl übersetzten »Ashley-Buch der Knoten«:

»Einer der besten, aber am häufigsten missbrauchten Knoten ist der Kreuzknoten oder Reffknoten. Als Bändselknoten zum Reffen oder Bergen von Segeln oder um Pakete zu verschnüren ist er von unschätzbarem Wert. Aber als Verbindungsknoten (um zwei Enden zusammenzubinden) hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen als alle anderen Knoten zusammen.«